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Samstag, 25. Juli 2026
DIE SEITE 3
Wer bestellt, der bezahlt
Einigung bei Kommunalfinanzen erzielt. Gelsenkirchens Kämmerer warnt vor zu hohen Erwartungen
Konnexitätsprinzip hinter diesem sperrigen Begriff steckt ein
staatsrechtlicher Grundsatz, der
auf die einfache Formel Wer bestellt, der bezahlt zu bringen ist.
Aus Städten wie Gelsenkirchen
war in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder die Kritik zu
hören, dass dieses Prinzip oft
nicht eingehalten werde.
Richtig heißt Sie Pippilotta Victualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter
Langstrumpf! Aber Ihre Freunde dürfen Sie nur Pippi nennen.
Andreas Blaschke / Figurentheater Köln
Villa Kunterbunt
im Revierpark
Puppentheater mit Pippi Langstrumpf
Richtig heißt Sie Pippilotta Victualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf! Aber Ihre
Freunde dürfen Sie nur Pippi nennen. Mit ihrem Pferd und dem Affen Herrn Nilsson ist sie in die Villa Kunterbunt eingezogen. Zur großen Freude von Annika und Thomas, den Nachbarskindern, denn
Pippi ist super stark, herrlich unerzogen und Sie lügt das Blaue vom
Himmel herunter.
Im Rahmen des Kultursommers
Gelsenkirchen bringt Puppenspieler Andreas Blaschke die weltberühmte Geschichte von Astrid
Lindgren in den Circus Probst im
Revierpark Gelsenkirchen. Das gut
90-minütige Stück eignet sich für
Kinder ab vier und ist am Samstag,
25. Juni, um 15 sowie am Sonntag,
26. Juni, um 11 und 15 Uhr zu sehen.
Karten für 14 Euro (Erw.) und 12
Euro (Kinder) an der Tageskasse,
Feldmarkstraße 209.
Stadt nimmt Müllsünder in den Blick
Die Stadt Gelsenkirchen kontrolliert künftig mit einem mobilen Überwachungsturm Depotcontainer-Standorte, um illegale Müllentsorgungen zu verhindern.
Der multifunktionale Turm ist mit Video, Radartechnik und Infrarot ausgestattet. Die auf den Überwachungsvideos zu sehenden Personen sind zunächst verpixelt. Erst wenn die Aufnahmen zum Nachweis eines Vergehens benötigt werden,
kann die Unkenntlichmachung aufgehoben werden. Perspektivisch soll die Technik auch in Grünanlagen eingesetzt werden, in denen trotz Verboten häufig gegrillt wird. Die mobile Überwachungseinheit wiegt rund eine halbe Tonne und
hat einen etwa sechs Meter hohen Turm. Die Daten des Radarsensors und der Infrarotkamera werden über das Mobilfunknetz an die kommunale Leitstelle für
Sicherheit und Ordnung übertragen. Nach einem Jahr wird bilanziert, ob sich der
Einsatz des mobilen Überwachungsturms bewährt hat. Gelsenkirchen setzt bereits auf Schulhöfen und Spielplätzen auf eine Überwachung mithilfe von KI und
Radar.
Stadt Gelsenkirchen / Andrea Weiss
Stadt muss wohl ihre
Rücklagen aufbrauchen
Was Bund und Land beschließen,
resultiere bei den Kommunen in
Mehrausgaben oder Einnahmeausfällen ohne dass diese sich dagegen wehren könnten. Ende Juni
haben Bund und Länder nun in einer Einigung festgehalten, das
Konnexitätsprinzip künftig konsequenter einhalten zu wollen. Daniel Schweihoff (SPD), seit 1. Juli
neuer Kämmerer in Gelsenkirchen, warnt vor zu hohen Erwartungen.
Man müsse zwar eine gute Entscheidung auch als eine gute Entscheidung anerkennen, die Einigung sei also ein Schritt in die
richtige Richtung, sagte der neue
Stadtdirektor. Der große Befreiungsschlag ist sie aber nicht.
Letztlich wirke sie vor allem in die
Zukunft. Das hilft uns nicht bei
den Lasten, die wir heute zu tragen haben.
Auch Hannah Huesmann Trulsen, haushaltspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sprach in einer Pressemitteilung zwar von einer guten Nachricht für Gelsenkirchen. Die zu erwartende Entlastung sei jedoch kein Selbstzweck,
sondern schaffe die Voraussetzung
für Handlungsfähigkeit: Jeder
Euro, den wir nicht länger für ungedeckte Pflichtaufgaben aufwenden müssen, schafft Spielräume
für das, was unsere Stadt wirklich
voranbringt: Investitionen in unsere Infrastruktur, in Schulen, Wege und öffentliche Räume.
Welche Dimensionen die derzeitigen Belastungen für die Kommunen bereits annehmen, hatte
Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) kurz vor der Einigung bekräftigt: Noch nie stand es mit
den kommunalen Finanzen so
schlecht wie jetzt, sagte sie. Auch
bei der Finanzplanung in Gelsenkirchen steht man kurz davor, alle Rücklagen für einen ausgeglichenen Haushalt abzubauen. Ob
die Stadt deswegen bald ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen
müsse und dadurch alle Ausgaben
auf den Prüfstand gestellt werden
Nicht der große Befreiungsschlag: Daniel Schweihoff, neuer Kämmerer der Stadt Gelsenkirchen, warnt vor zu hohen Erwartungen nach einer Einigung zwischen Bund und Ländern zu Kommunalfinanzen.
Michael Korte / FUNKE Foto Services
Gesamterträge des Gelsenkirchener Haushaltes 2026
Angaben in Millionen Euro
Finanzerträge (23,5)
Privatrechtliche
Leistungsentgelte
(28,3)
Öffentlich-rechtliche
Leistungsentgelte
(187,5)
Steuern und ähnliche
Abgaben (410,5)
Wo das Konnexitätsprinzip
stärker greifen müsste
FUNKEGRAFIK NRW: MIRIAM KONOPKA
QUELLE: STADT GELSENKIRCHEN
Im Haushaltsplan für 2026 steht ein Defizit von rund 60 Millionen Euro. Ausgeglichen werden kann der Haushalt nur, indem die Stadt kräftig auf ihre Rücklagen
zurückgreift. Wenn Gelsenkirchen keinen ausgeglichenen Finanzplan mehr vorlegt, droht die Haushaltssicherung. Dann stehen viele Ausgaben auf dem Prüfstand.
müssten, könne man derzeit jedoch nicht seriös beantworten, betonte Schweihoff. Das hänge von
vielen Faktoren ab.
Die Einigung zu den Kommunalfinanzen sieht vor, dass der Bund
künftig keine Gesetze mehr beschließt, ohne den Kommunen einen entsprechenden Kostenausgleich von 80 Prozent zu sichern.
Dieser Grundsatz soll jedoch erst
dann gelten, wenn die Mehrkosten
bei Ländern und Kommunen die
Grenze von 200 Millionen Euro
übersteigen und auch dann sind
die Kosten eben nicht vollumfänglich gedeckelt. Gelten soll das ab
dem 1. September. Ein Beschlussentwurf hatte zuvor nur 75 Prozent
Kostenübernahme ab 250 Millionen Euro Mehrbelastung vorgese-
OLAF DER FLIPPER JÖRG BAUSCH KLAUS & KLAUS
NORMAN LANGEN ANNA CARINA WOITSCHACK
OLAF HENNING TIM PETERS DANIEL LOPES
EARLY BIRD 22,90€ inkl. Gebühr Ab 01. Juni: 24,90€ inkl. Gebühr
(VIP Tribüne, Bier, Sekt, Wein und alkoholfreie Getränke + Currywurst)
Gesamt:
1,53 Mrd. Euro
Kostenerstattungen
und -umlagen,
Leistungsbeteiligungen
(217,3)
IM FESTZELT AUF DER CRANGER KIRMES
BEGINN AB 18:30 UHR (EINLASS AB 17 UHR)
VIP TICKET 135,00 € inkl. Gebühr
Zuwendungen und
allgemeine Umlagen
(616,2)
Sonstige ordentliche
Erträge (36,4)
MITTWOCH, 12.08.2026
TICKETS
Aktivierte
Eigenleistungen (2,0)
Sonstige
Transfererträge (13,1)
13 Jahre
zwar durch Bund und Länder, die
Kommunen mussten jedoch neue
Stellen in den Wohngeldstellen
schaffen, um die vielen zusätzlichen Anträge zu bearbeiten. Refinanziert bekamen sie diese nicht.
Auch damals klagten Kommunen,
das Konnexitätsprinzip werde
nicht richtig eingehalten.
hen. Steuergesetze fallen nicht unter die neue Regelung.
Immer wieder kommt es zu
Streit zwischen Bund und Ländern, wenn der Bund Steuerentlastungen plant aber diese auch für
die Länder Mindereinnahmen bedeuten. Gelten soll die Regelung
hingegen bei sogenannten Leistungsgesetzen, die Ansprüche auf
staatliche Leistungen schaffen
oder verändern und damit oft erhebliche finanzielle Auswirkungen
auf die öffentlichen Haushalte haben.
Ein Beispiel aus den vergangenen Jahren ist die milliardenschwere Wohngeld-Plus-Reform
der Ampel-Regierung, die 2023 in
Kraft trat. Die Finanzierung des
eigentlichen Wohngeldes erfolgt
Entsprechende Kritik ist aktuell auch
immer wieder im Hinblick auf den
Offenen Ganztag (OGS) zu hören. Ab
dem kommenden Schuljahr, also ab
dem 1. August, gilt für jedes Kind im
ersten Grundschul-Jahrgang der
Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz.
Hier werden uns durch das Land die
Umsetzungspflichten übertragen, ohne dass die Finanzierung ausreichend gesichert werde. Das ist ein
klarer Verstoß gegen das Konnexitätsprinzip, hatte Bildungsdezernentin Anne Heselhaus im März betont.
Die Stadt hat deswegen sogar gemeinsam mit anderen Kommunen
eine Feststellungsklage eingereicht.
Kritisiert wird das von der örtlichen CDU. Wer konstruktiv zusammenarbeiten möchte, sollte
den Dialog suchen, statt Zeit, Geld
und Energie in eine juristische Auseinandersetzung zu investieren,
hieß es in einer Stellungnahme der
Fraktion. Beim Konnexitätsprinzip
müsse der Blick zudem nach Berlin
gerichtet werden: Der OGS-Rechtsanspruch beruhe auf einem Bundesgesetz und richte sich unmittelbar an die Kommunen. Dennoch
übernehme die CDU-geführte Landesregierung den größten Anteil.
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