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Samstag, 31. Oktober 2026
SERVICE
Ich habe Angst vor einem
langsamen Tod
Rechtsmediziner Prof. Dr. Michael Tsokos über sein 3er-Abi und was ihn zum Weinen bringt
Miriam Dabitsch
Prof. Dr. Michael Tsokos hat sich
als renommierter Professor für
Rechtsmedizin und als Experte im
Bereich der Forensik etabliert. Seine spektakulärsten Fälle macht er
in Büchern und Live-Shows öffentlich. Mit Phänomen Forensik
Faszination Rechtsmedizin 2.0
gastiert der Rechtsmediziner am 2.
Dezember ab 20 Uhr in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf.
Wir verlosen 3x2 Tickets.
Sie sind seit 30 Jahren Rechtsmediziner.
Warum gehört Ihre Arbeit auf die Bühne?
Weil ich glaube, dass viele Menschen es verdient haben zu wissen,
was bei uns passiert. Ich war tatsächlich vor 20 Jahren der Erste,
der die Institutstüren geöffnet hat
im übertragenen Sinne, indem
ich Sachbücher geschrieben und
populärwissenschaftliche Vorträge gehalten habe. Bei der Resonanz meiner aktuellen Tour sehe
ich, dass die Leute einen wahnsinnigen Bedarf haben, dieses Wissen
zu bekommen.
Von welchen Einsätzen erzählen Sie in Ihrem aktuellen Programm Faszination
Rechtsmedizin 2.0?
Unter anderem von meinen Untersuchungen nach dem Tsunami
2004/2005 in Südostasien der
größten Identifizierungsmission,
die es bis dahin weltweit gab. Ich
war Teil der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes
und berichte davon. Ich erzähle,
wie ich 1999 nach einem Massaker
im Kosovo einen Genozid nachweisen konnte, also einen Völkermord an der Zivilbevölkerung. Ich
berichte von einem Fall eines brasilianischen Models, das 2021 unter unklaren Umständen von einem Hochhaus aus dem zwölften
Stock gestürzt ist und in den ich
als Rechtsmediziner involviert
war. Ich erzähle von meinen ersten Gehversuchen in der Rechtsmedizin als Medizinstudent in
Sydney, wo ich ein Forschungsprojekt über Wasserleichen mitbegleitet habe. Und es gibt immer wieder rechtsmedizinische Basics, damit die Zuschauer das auch verstehen keine Vorlesung also, aber
leicht verständlich aufgebautes
Basiswissen.
Prof. Dr. Michael Tsokos ist Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner.
Linnea Tsokos / WVW
Wenn Sie zurückblicken welche drei Einsätze sind Ihnen am meisten in Erinnerung
geblieben?
Ich war 2011 in Kasachstan, weil
Opfer eines Serienmörders in Fässern mit gelöschtem Kalk gefunden wurden. Es war ein extrem
brisanter Fall, denn wie sich später herausstellte, war der Täter der
ehemalige Vizegeheimdienstchef
von Kasachstan und der Schwiegersohn des Präsidenten. Deshalb
hatten sie das nicht mit sowjetischen Rechtsmedizinern gemacht,
weil sich dafür keiner fand. Der
blöde Tsokos kannte die innenpolitischen Verhältnisse nicht und
ist einfach hingeflogen. Das werde
ich nie vergessen. Dann natürlich
der Tsunami 2004/2005 Tempelanlagen mit Zehntausenden von
Leichen, die wir untersucht haben.
Und was ich nie vergessen werde,
ist meine Untersuchung 2016 nach
dem Attentat auf den Breitscheidplatz in Berlin, weil es in meiner
Stadt passiert ist.
Wer sollte lieber nicht zu Ihrer Show kommen?
Vielleicht sollte der Ehemann
nicht kommen, dem schon
schlecht wird, wenn seine Frau
sagt: Guck mal, der Tsokos hat
auf Instagram was Neues. Aber
alle anderen sind herzlich willkommen.
Auf Ihrem Instagram-Account zeigen sie
auch harte Videos. Mir ist eines in Erinnerung geblieben, da öffnen Sie mit einer
Zange den Mund eines Toten und der ist
voll von Maden. Was ist Ihre Intention, sol-
che Videos zu zeigen?
Auch das hat einen wissenschaftlichen Hintergrund. Viele fragen,
was mit dem Körper nach dem
Tod passiert. Ja, da kommen die
Maden aber wie sieht das aus?
Die Maden verstecken sich im
Dunkeln, am liebsten in den Gehörgängen, im Mund und unter
den Augenlidern. Es ist Unsinn,
was Simon Beckett schreibt, dass
Maden in Richtung Süden wandern. Genau das ist die Intention
solcher Snippets: Sie sind einerseits aufsehenerregend, stören
aber nicht die Anonymität des Toten, und die Leute sagen dann:
Das hätte ich nicht gedacht, ich
dachte immer, das ist so wie Simon Beckett schreibt.
Kennen Sie Ekel? Und wenn ja, wovor ekeln
Sie sich?
Ja. Zum Beispiel, wenn Lebensmittel schlecht sind das finde ich eklig.
Sie hatten einen 3,0er-Abischnitt. Dass Sie
es damit bis zur Habilitation geschafft haben, ist bekannt. Machen Sie jungen Leuten mal Mut.
Ich glaube, ich hatte einfach keine
Lehrer, die mich gefördert oder etwas aus mir herausgeholt haben.
Ich war grottenfaul, habe fast nie
Hausaufgaben gemacht und bin irgendwie durchgerutscht, weil
mich nichts richtig fasziniert hat.
Dann bin ich durch Zufall auf den
Medizinertest gekommen. Ich bin
völlig ohne Druck reingegangen.
Wenige Monate später hatte ich
einen Medizinstudienplatz. Ich
glaube, man kann jungen Leuten
so Mut machen: Macht euch nicht
so viel Druck, viele Dinge kommen
von allein, und manchmal ist es
der Beruf, der dich aussucht, und
nicht du, der den Beruf aussucht.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich
Medizin studiere.
Sie sagen, dass Emotionen in Ihrem Job außen vor bleiben müssen. In welchen Situationen werden Sie denn emotional?
Ich habe zum Beispiel geweint, als
meine Tochter geboren wurde. Das
glaubt mir meine Frau bis heute
nicht, aber es war so, weil es für
mich nach drei Söhnen, ein vierter kam dann noch endlich eine
Tochter war, zu der ich auch ein
ganz besonderes Verhältnis habe.
Auch im Job fällt es mir manch-
mal schwer, nicht emotional zu
werden: Wenn ich etwa in Ermittlungsakten lese, was mit Kindern
gemacht wurde, bevor sie getötet
wurden. Das sind Dinge, die ich
nie in meinem Programm bringen
würde, nie auf Instagram zeigen
und nie in Büchern schreiben würde, weil das wirklich Sachen sind
wenn man den Leuten solche Bilder in den Kopf pflanzt, bekommen sie die nicht wieder raus. Das
kann ich zum Glück ausklammern,
aber wenn ich das lese, muss ich
aufpassen, dass ich nicht emotional werde.
In Ihrer Freizeit suchen Sie eher Ruhe. Sie
machen gerne Spaziergänge mit Ihrem
Hund, verbringen gerne Zeit mit Ihrer Familie, Lost Places stehen auf Ihrem Freizeitplan und auch manchmal Angeln. Ist dieser
Rückzug Ihr Ausgleich zum alltäglichen
Wahnsinn?
Absolut. Und was Sie vergessen
haben: Pilzesuchen. Ich bin einfach ein Naturfreund und liebe es,
stundenlang durch die Natur zu
laufen. Und tatsächlich, wenn ich
schreibe, ziehe ich mich in unser
Ferienhaus in Brandenburg zurück, nehme nur meinen Hund
mit, und bei den Mittagsspaziergängen kommen tatsächlich die
besten Ideen.
Foto der Woche:
Eichhörnchen
Manuela Wilms hat mit diesem
Bild unseren Wettbewerb Foto
der Woche zum Thema Eichhörnchen gewonnen. Die Jury
sagt: Manuela hat hier einen richtigen Akrobaten geknipst. Sie hat
zur richtigen Zeit auf den Auslöser
geklickt und uns diesen niedlichen
Schnappschuss beschert. Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn!
In dieser Woche suchen wir Fotos
zum Thema Sauerland. Schicken
Sie uns Ihr Bild (in hoher Auflö-
sung) zum Thema per Mail zu: foto-wochenblaetter@funkemedien.de. Achtung: Es dürfen nur eigene Fotos oder solche, an denen
Sie die Nutzungsrechte haben, eingesandt werden. Wer Fotos
schickt, erklärt sich damit einverstanden, dass sie unter Nennung
des Fotocredits in unseren Zeitungen, auf unseren Social-Media-Accounts und der Newswall am Limbecker Platz in Essen veröffentlicht werden.
Was schreiben Sie denn aktuell?
Einen Rechtsmedizin-Thriller, und
zwar den vierten Band meiner Sabine-Yao-Reihe. Der soll im Herbst
2027 erscheinen.
Haben Sie persönlich Angst vor dem Tod?
Ja, habe ich. Ich habe Angst vor einem Tod, der schmerzhaft ist
nicht schmerzhaft im Sinne von
Schmerzen, sondern schmerzhaft
für die Familie, wenn sie sieht, wie
man verfällt, sei es durch Demenz
oder ein schweres Krebsleiden.
Wer Tickets gewinnen möchte, schreibt bis
zum 5. November, 23.59 Uhr, eine Mail (Betreff Tsokos) mit Angabe des Namens und
der Adresse an gewinnspiel-wochenblaetter@funkemedien.de. Die Kontaktdaten
der Gewinner werden zur Gewinnabwicklung an den Veranstalter weitergegeben.
Eine Weitergabe des Gewinns ist nicht
möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Datenschutzhinweis: Wir informieren
Sie über die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten auf www.funkemedien.de/de/Datenschutzinformation oder
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In zahlreichen deutschen Krankenhäusern profitieren Patientinnen und Patienten jeden Alters
von regelmäßigen Besuchen professioneller Klinikclowns. Sie sind
im Einsatz in Kinderkliniken und
auf verschiedenen Stationen für
Erwachsene. Sie stärken die psychische Verfassung der oft schwerkranken Menschen, erleichtern
Klinikaufenthalte wesentlich und
tragen zur Genesung bei.
Im Dachverband Clowns in Medizin
und Pflege Deutschland sind 20 regional tätige Vereine miteinander verbunden, die die Einsätze dieser Klinikclowns organisieren und zum Großteil
durch Spenden finanzieren.
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