FUNKE Hamburger Wochenblatt Kalenderwoche 35
POLITIK & MEINUNG
Wie sicher ist die Briefwahl?
Die Demokratie
braucht uns Bürger
Wahlkämpfer der AfD warnen vor der Stimmabgabe zu Hause Zu Unrecht, sagen Experten
In Zeiten von Krieg, Krisen und Katastrophen
helfen nur Wissen und ein kühler Kopf
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Jennifer Ganster
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Krieg in Europa, ein unberechenbarer US-Präsident, Volksparteien in der Krise, KI bedroht Jobs
und das Klima spielt verrückt.
Haben Sie auch manchmal das
Gefühl, die Welt ist aus dem Lot
geraten? Wenn ja, dann geht es
Ihnen wie mir. Ich beobachte als
Journalist schon lange die gesellschaftliche Lage und kann mich
nicht erinnern, wann Herausforderungen derart groß waren.
Aber was hilft? Kopf in den
Sand stecken? Nichtwählen?
Wutwählen? Das darf keine
Option sein. Wir müssen dankbar sein, dass wir in einer freien
Demokratie leben dürfen. Das ist
keine Selbstverständlichkeit. Die
Freiheit muss täglich verteidigt
werden. Also müssen wir uns
den Herausforderungen unserer
Zeit stellen. Dazu braucht es
verlässliche Informationen und
Wissen statt Fake-News und
politische Indoktrination.
Ab heute werde ich an dieser
Stelle versuchen, die Dinge für
Sie einzuordnen. Verständlich
und aus persönlicher Erfahrung
meines journalistischen Lebens,
in dem ich die Top-Entscheider
Deutschlands kennenlernte und
das mich nach Ost und West
führte ins Weiße Haus wie in
den Kreml. Mit optimistischem
Blick auf das ganze Deutschland,
das sich in meiner westdeutsch-
Sonnabend, 29. August 2026
Fot
Eine Analyse von
Jörg Quoos
Chefredakteur der
FUNKE Zentralredaktion
ostdeutschen Familie wunderbar
spiegelt. Analysen statt Belehrungen, Meinung statt Hetze.
Das will ich Ihnen hier als Journalist, Familienvater und überzeugter Europäer liefern. Gibt es
ein Thema, das Ihnen große
Sorge bereitet? Wo fehlen Ihnen
Antworten aus der Politik? Schreiben Sie mir an analyse.quoos@
funkemedien.de und inspirieren
Sie mich für weitere Beiträge.
Herzlich, Ihr Jörg Quoos
Jörg Quoos nimmt Sie montags, mittwochs und freitags mit hinter die Kulissen
der Bundespolitik. Abonnieren Sie seinen Newsletter
Hauptstadt inside.
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Berlin. US-Präsident Donald Trump
macht es, auch viele Politiker aus
der AfD: Sie warnen vor der Briefwahl, die angeblich nicht sicher
sei. Aber stimmt das? Könnten in
Deutschland politische Gegner sie
wirklich nutzen, um unrechtmäßig den eigenen Stimmanteil zu
erhöhen? Werden Auszählungen
absichtlich verfälscht?
Fakt ist: Briefwahl wird immer
beliebter. Bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021
haben knapp ein Drittel aller Wählerinnen und Wähler die Briefwahl
genutzt, nämlich 29 Prozent. Das
liegt zwar unter dem Schnitt der
Bundestagswahl 2025, da waren es
rund 37 Prozent. Trotzdem zeigt
sich auch hier, dass die Popularität
der Briefwahl zunimmt: 2016 waren es nur knapp 14 Prozent. Der
Trend ergibt Sinn: Auch Personen,
die am Wahltag im Urlaub sind
oder das Haus schlecht verlassen
können, können so ihr Wahlrecht
in Anspruch nehmen.
Für die Auszählung und die Bekanntgabe der Stimmen ist das
Bundes- beziehungsweise Landeswahlamt zuständig. Dort findet
man Informationen über die Sicherheit der Briefwahl. Generell
gilt: Die Briefwahl ist sehr sicher.
Fälle von Manipulation sind extrem selten. Trotzdem gab es in
den vergangenen 20 Jahren einige
wenige. Der prominenteste Fall
stammt aus Sachsen-Anhalt: 2014
füllte ein CDU-Stadtrat fremde
Die Stimmzettel in die Urne stecken oder doch lieber per Briefwahl
bequem von zu Hause die Stimme abgeben?
Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services
Wahlunterlagen selbst aus. Die
Wahl wurde wiederholt.
Damit so etwas nicht passiert,
gibt es strenge Mechanismen, um
Manipulationsversuche bei der
Briefwahl zu unterbinden, heißt es
bei Bundeswahlleiterin Ruth
Brand. So sind die Räume, in denen ausgezählt wird, öffentlich zugänglich, bei der Auszählung kontrollieren sich die Mitglieder des
Briefwahlvorstands gegenseitig
und es werden Kontrollbriefe an
die Meldeadresse versendet.
Auch wenn die Briefwahl generell als sicher gilt, könnte es Einfallstore für Manipulation geben?
Wahl-Experte Dominic Nyhuis,
Politikwissenschaftler an der Universität Hannover, sagt: Der gängigste Vorwurf lautet, dass dritte
Personen den Wahlschein ausfüllen. Doch großflächigen Betrug
halte ich für ausgeschlossen. Ein
größeres Problem sind Formfehler: Im Wahlbüro sitzen Wahlhelfer, die das ordnungsgemäße technische Ausfüllen der Wahlzettel
erklären können. Bei der Briefwahl nicht. Nyhuis erklärt: Relativ viele Wähler bedienen den
Wahlschein nicht richtig, zum Beispiel wird er nicht richtig eingetütet oder nicht unterschrieben. Dabei gehen mehr Stimmen verloren
als bei der Urnenwahl.
Falscher Wahlzettel
im Videoclip
Wenn die Briefwahl sicher ist,
wieso gibt es dann immer wieder
Gerüchte über angebliche Fehler
und Manipulationen? Ein Grund
dafür sind Fake-News wie aus dem
vergangenen Jahr. In einem Video, das auf Social Media häufig
geteilt wurde, war ein Wahlzettel
angeblich aus Leipzig zu sehen,
auf dem es keine Option gab, die
AfD zu wählen. Der Clip war gefälscht, Experten vermuten die Urheber in einer russischen Desinformationskampagne.
Jüngst wurde behauptet, dass
Pflegekräfte in Altenheimen Wählerinnen und Wähler beeinflussen.
Dafür gibt es keine Beweise und
die zuständigen Verbände haben
die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. In einer Mitteilung
schrieb der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe: Wer öffentlich behauptet, bei der Briefwahl in Pflegeeinrichtungen werde nicht immer alles dem Zufall
überlassen, obwohl er selbst einräumt, dafür keine Belege zu haben, sät gezielt Misstrauen gegen
die Menschen, die dort arbeiten.
Das ist verantwortungslos.
Dass es nach Auszählung der
Briefwahl zu Ergebnisschwankungen kommen kann, ist kein Anzeichen für Manipulation. Es beweist
jedoch, dass die Briefwahl nicht
bei allen gleich beliebt ist. So tendierten laut einer Studie der Uni
Hohenheim vor der Bundestagswahl 2021 Wähler der CDU besonders häufiger zur Briefwahl, während sie bei Anhängern der AfD
besonders unbeliebt ist. Alle Informationen zur Briefwahl finden Sie
auf der Internetseite der Bundeswahlleiterin im Wahl-Lexikon auf
bundeswahlleiterin.de.
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