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Samstag, 19. September 2026
DIE SEITE 3
30 Jahre Neue Mitte
Vom Industriegelände zum Freizeitort
Wo einst die Schlote qualmten
und die Hochöfen glühten, hat sich
vor 30 Jahren ein prägnanter
Wandel innerhalb des Oberhausener Stadtgebiets ergeben. Jüngere
Generationen werden es sich
kaum noch vorstellen können: das
Gelände der Neuen Mitte war einst
ein pulsierendes Gelände der
Schwerindustrie. Seit 1996 befindet sich an dieser Stelle die Neue
Mitte.
Schon seit Mitte der 1980er Jahre wurde die Fläche der heutigen
Neuen Mitte nur noch in geringem
Umfang betrieblich genutzt. Allein
das Gelände nördlich der Essener
Straße umfasst 143 Hektar, es war
damals nur noch eine stillstehende
Brache. Hinzu kommen die Flächen südlich der Essener Straße
sowie im Bereich des heutigen
Brammenring.
Der Niedergang vollzog sich in
Etappen. Sichtbarster Einschnitt
war 1979 das Ausblasen von Hochofen A, womit die Geschichte der
Roheisenerzeugung in Oberhausen, die 1758 auf der St.-Antony-
Von der Industriebrache zur Neuen Mitte.
Hütte begonnen hatte, endete.
Mitte der 1980er Jahre wurden
Überlegungen zur planerischen
Aufwertung dieser Areale angestellt. So gab es Bemühungen,
auch mit planerischen Mitteln gegen die Krisensicht der Stadtentwicklung vorzugehen und wegweisende Projekte zur Verbesserung der lebensräumlichen Qualität in Angriff zu nehmen die
Konzeption der Grünen Mitte
Oberhausen. Diese Konzeption
wurde aber schnell wieder verworfen, da sie keine Arbeitsplätze hervorgebracht hätte.
Somit suchte die Stadt Oberhausen nun nach Investoren, um die
Flächen einer neuen Nutzung zuzuführen. Ende der 1980er Jahre
gab es erste Pläne zur Bebauung
des Gebietes mit einem überdimensionalen riesigen Freizeit- und
Einkaufszentrum mit 850.000
Quadratmetern. Bedenken der
Nachbarstädte und innerhalb der
Landesregierung führten dazu,
dass diese Pläne verworfen wurden.
Hans Blossey www.luftbild-blossey.de/FFS /
Erst 1991, als eine britische Investorengruppe den Plan zur Errichtung eines kleineren Einkaufszentrums, eingebunden in ein städtebauliches Konzept mit Anlagen der
Freizeit, der Kultur und des Gewerbes vorstellte, konnte ein Weg zur
planerischen Umsetzung beschritten werden. Die englische Investorengruppe erwarb sodann einen
Teil des Geländes, um hier mit dem
heutigen Westfield Centro die
Keimzelle für die Neue Mitte Oberhausens zu gestalten.
Im Zeitraffer seither
1992: Beginn der Abbrucharbeiten
alter Werksanlagen
1994: Grundsteinlegung des Einkaufszentrums
1996: Eröffnung von ÖPNV-Trasse
und erste Straßenbahnfahrt am 21.
Juni
1996: Eröffnung des heutigen
Westfield Centro im September
1996: Eröffnung der heutigen Rudolf-Weber-Arena im September
1999: Eröffnung des heutigen Metronom Theater
2001: Eröffnung des ehemaligen
Freizeitparks Centro Park
2004: Eröffnung des Sea Life
Aquarium
2004: Eröffnung der Heinz-Schleußer-Marina am Rhein-Herne-Kanal
2005: Aufgabe des Projekts Zukunftspark O.Vision
2008: Eröffnung der ehemaligen
Modellbahnwelt
2009: Eröffnung des Aquapark
2012: Eröffnung des ehemaligen
Spionagemuseums Top Secret
2013: Eröffnung des Legoland Discovery Center
2025: Eröffnung von Karls Erlebnis-Dorf
Der Ruhrpark wird nächstes Jahr erblühen.
Stadt Oberhausen / Pressefoto
Blühwiese gibt ersten Vorgeschmack
Der Ruhrpark wird aufgewertet
Die Umgestaltung des Ruhrparks
in Alstaden im Rahmen der IGA
2027 hat begonnen.
Mit der Einsaat einer rund 600
Quadratmeter großen Blühwiese
an der Jahnwiese setzt die Stadt
das erste sichtbare Zeichen für
die geplante Neugestaltung. Die
vorgezogenen Arbeiten sorgen
dafür, dass die Fläche pünktlich
zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung im Ruhrgebiet im April 2027 in bunter Blüte
steht. Bis zur weiteren Entwick-
lung schützt ein Bauzaun die Fläche, die den alten Dammverlauf
verlängert und die Jahnwiese
bildlich schließt.
Der nächste Meilenstein ist der
Gesamtbaustart des Großprojekts.
Dabei werden weitere Bereiche
des rund 15 Hektar großen Ruhrparks umgestaltet. Ziel ist es, den
vor rund 120 Jahren entstandenen
Ruhrpark mit seinen Wald- und
Gehölzbeständen, dem Altholz,
dem Ruhrparkteich und der denkalgeschützten Jahnwiese fit für
die Anforderungen des Klimawandels zu machen, die Biodiversität zu stärken und die Aufenthalts- und Naturerlebnisqualität
zu verbessern. Die historische
Parkstruktur bleibt dabei ein
wichtiger Bestandteil der Planung.
Finanziert wird das Bauprojekt
mit Hilfe von Fördermitteln in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro aus
dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) Grüne Infrastruktur.
Unterwelten
Ausstellung im Bunkermuseum
Ab Freitag, 25. September, ist im
Bunkermuseum, Alte Heid 13, eine
Ausstellung des Fotografen Peter
Seidel zu sehen. Sie trägt den Titel
Unterwelten - Orte im Verborgenen.
Die Ausstellung führt dahin, wo
man sie erwartet: unter die Grasnarbe. Da auch das Bunkermuseum weitgehend in der Erde liegt,
passen Museum und Ausstellung
gut zusammen, ebenso wie das
Ruhrgebiet, das durch den Bergbau jahrzehntelang ausgehöhlt
wurde. Die Unterwelten zeigen,
was alles im Verborgenen liegt,
und eröffnen damit oft unbekannte Orte. Unterwelten haben keine
sichtbare, repräsentative Außenhülle. Der Strukturwandel macht
aber deutlich, dass unterirdisch
gelegene Orte ebenso Teil der Kultur sein können wie oberirdisch
gelegene Repräsentationsbauten.
In den Fotografien von Peter
Seidel richtet sich der Blick auf das
Innere, sie können sachliches Interesse an einem Ort auslösen,
aber darüber hinaus auch an Mythen der Vergangenheit erinnern
oder individuelle Sinneseindrücke
zum Schwingen bringen. So wie
die Vielzahl der Unterwelt-Fotografien von Peter Seidel überraschen kann, so zeichnet sie ihre
Offenheit für persönliche Impressionen aus.
Am Mittwoch, 7. Oktober, ab 18
Uhr gibt es eine Führung durch die
Ausstellung, in der Peter Seidel
seine Fotografien erläutert. Eine
vorherige Anmeldung ist erforderlich und per E-Mail an gedenkhalle-bunkermuseum@oberhausen.de oder unter Tel. 0208
60705310 möglich. Die Ausstellung ist bis zum 13. Dezember zu
sehen.
Der Ursprung der KI
Oberhausenerin verfasste Buch zur Künstlichen Intelligenz
Bevor es Computer gab, gab es den
Wunsch nach ihnen. In ihrem Sachbuch Von Golem bis ENIAC verfolgt die Oberhausener Autorin
Barbara Hardy die jahrhundertealte Idee der denkenden Maschine
von Rabbi Löws Golem über Ada
Lovelace und Alan Turing bis zu
den sechs Frauen, die 1945 den ersten elektronischen Computer ENIAC programmierten.
Statt die aktuelle KI-Debatte
fortzuschreiben, fragt Hardy nach
ihrem Ursprung. Wer kam überhaupt auf die Idee, eine Maschine
zu bauen, die rechnen, urteilen
oder denken kann? Die Antwort
führt zu Mathematikern, Ingenieuren, Philosophen und Schriftstellern zu Charles Babbage und Ada
Lovelace, zu Kurt Gödel und Alan
Turing, zu Konrad Zuse, Grace
Hopper und den Programmiererinnen des ENIAC, deren Namen bis
heute selten auf einem Foto stehen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer
konkreten Szene statt mit einer
These ein Keller, eine Uhr, ein
Satz, den jemand tatsächlich gesagt hat. Jede Tatsachenbehauptung ist recherchiert und belegt,
ohne erfundene Dialoge oder ausgeschmückte Psychologie historischer Personen.
Barbara Hardy, geboren 1967 in
Oberhausen, ist Diplom-Biologin
und journalistisch ausgebildet.
Nach Jahren, die sie ihren vier Kindern widmete, bildete sie sich weiter: Französisch, dann Englisch, bis
zur staatlich geprüften Übersetzerin. Ihr Antrieb für das Buch: Ich
wollte wissen, wie Künstliche Intelligenz entstanden ist nicht wohin
sie führt, sondern wo sie begann.
Ihr Motto: Jede Zukunft hat einen
Anfang. Wer ihn kennt, versteht
mehr von dem, was kommt.
Das Buch umfasst 280 Seiten
(ISBN 978-3-384-85374-5) und
kostet 19,80 Euro.
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