GESUNDHEIT 7
Was sind die häufigsten
Krebserkrankungen, die Sie in
der Regio Klinik behandeln?
In unserem Darmzentrum sehen wir jährlich bis zu 110 Fälle
von Darmkrebs. Das ist nach
wie vor relativ viel und zeigt,
wie weit verbreitet diese Krankheit in unserer Bevölkerung ist.
Tatsächlich ist Darmkrebs eine
der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland, sowohl bei
Männern als auch bei Frauen.
Diese hohe Inzidenz macht es
umso wichtiger, dass wir uns
auf Vorsorge und Früherkennung konzentrieren. Denn je
früher ein Krebs entdeckt wird,
desto besser sind die Heilungschancen. Darmkrebs fängt oft
relativ unspektakulär an, weswegen viele Menschen die ersten Anzeichen ignorieren oder
missverstehen. Genau in dieser
Frühzeitigkeit liegt die Herausforderung, aber eben auch
die Möglichkeit, die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen.
Magenkrebs ist Gott sei Dank
seltener geworden, Darmkrebs
kommt mit bis zu 60.000 Neuerkrankungen dagegen schon
ziemlich häufig vor.
Welche Symptome sollten
Menschen beachten, um
frühzeitig eine potenzielle
Krebserkrankung im Darm
zu erkennen?
Symptome von Darmkrebs variieren je nach Lage des Tumors
stark. Tumore im rechten Dickdarm neigen dazu, eher unspezifische Symptome zu verursachen. Dazu gehören Müdigkeit
und Blässe, oft verursacht durch
einen langsamen Blutverlust
und die resultierende Anämie.
Tumore auf der linken Seite,
in Richtung Enddarm, können
deutlichere Anzeichen hervorrufen, wie zum Beispiel Veränderungen des Stuhlgangs,
Verstopfung oder frisches Blut
im Stuhl. Leider werden diese
Symptome oft als Hämorrhoiden abgetan und nicht ernst
genommen. Deshalb ist es von
entscheidender
Bedeutung,
bei jeder Veränderung im Verdauungstrakt aufmerksam zu
werden und ärztlichen Rat einzuholen.
Wie essenziell ist die Früherkennung bei Darmkrebs
und welche Maßnahmen
stehen zur Verfügung?
Die Früherkennung ist absolut
entscheidend. Sie kann den Unterschied zwischen einer vollständigen Heilung und einem
langwierigen Krankheitsverlauf
ausmachen. Durch Vorsorgeuntersuchungen wie die Darmspiegelung können Polypen, die
potenziell zu Krebs führen können, frühzeitig entdeckt und
entfernt werden. Unbehandelt
können sich diese über einen
Zeitraum von fünf bis zehn
Jahren zu Krebs entwickeln. Erfreulicherweise übernehmen die
Krankenkassen die Kosten von
Vorsorgeuntersuchungen
ab
einem bestimmten Alter, wodurch sie für jeden zugänglich
werden. Die Herausforderung
besteht darin, die Bevölkerung
zu motivieren, diese potenziell
lebensrettenden Untersuchungen in Anspruch zu nehmen.
Eine Darmspiegelung ist heutzutage so einfach, meistens bekommt man die Untersuchung
gar nicht richtig mit.
Ist denn Darmkrebs eher eine
Frage des Alters?
Darmkrebs tritt zwar tatsächlich vorwiegend bei Menschen
über 60 Jahren auf, kann aber
auch bei Jüngeren vorkommen.
Besonders gefährdet sind jüngere Patienten mit familiärer
adenomatöser Polyposis (FAP),
sie können schon im frühen
Erwachsenenalter erkranken.
Kinder sind in der Regel nicht
betroffen. Insgesamt nimmt
also die Wahrscheinlichkeit, an
Darmkrebs zu erkranken, mit
dem Alter zu.
In letzter Zeit gab es viele
Fortschritte in der Medizintechnik. Wie haben sich die
Behandlungsmethoden von
Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts entwickelt?
Die Entwicklungen in der Medizintechnik haben unser Fach-
gebiet in großen Schritten nach
vorne gebracht. Als ich in den
1990er Jahren meine Karriere
begann, war die offene Chirurgie
die Regel. Das bedeutete, dass
große Bauchschnitte notwendig
waren, um Operationen durchzuführen. Heute können wir
dank minimalinvasiver Techniken, auch bekannt als Schlüssellochchirurgie, dieselben Eingriffe mit wesentlich kleineren
Schnitten durchführen. Diese
Methode hat viele Vorteile: Sie
reduziert postoperative Schmerzen, beschleunigt die Genesung
und minimiert das Infektionsrisiko. Oft können die Patienten
noch am selben Tag nach einer
Operation wieder aufstehen.
Dank des Da Vinci Roboters,
der in unserer Klinik im Einsatz
ist, erreichen wir zudem eine
sehr hohe Präzision. Auch wenn
die Anschaffung und der Betrieb
solcher Technologien kostspielig
sind, steht für uns das Wohl der
Patienten an erster Stelle. Die
Robotertechnik erlaubt es uns,
noch präziser zu arbeiten, was
insbesondere bei komplexen
Krebsoperationen entscheidend
ist. Diese Investition in technologische Exzellenz ist für uns ein
wesentlicher Bestandteil der Patientenversorgung.
Welchen Erfolg versprechen
Sie sich vom Einsatz einer
Immuntherapie?
Die Immuntherapie und die
Antikörpertherapie, bietet heute
in bestimmten Konstellationen
neue Behandlungsoptionen, die
es vor 30 Jahren noch nicht gab.
Damals stand ausschließlich die
Chemotherapie zur Verfügung,
die standardmäßig bei allen
Patienten angewendet wurde.
Heutzutage können Therapien
viel gezielter und individueller
auf den Patienten abgestimmt
werden. Da nicht jeder Patient
für eine Immuntherapie infrage kommt, gibt es bestimmte
Kriterien, anhand derer sich
frühzeitig feststellen lässt, wer
davon profitieren könnte. Bei
Patienten, die für eine Antikörpertherapie geeignet sind, kann
diese zusätzlich zur Chemotherapie angewendet werden und
die Überlebensrate nach fünf
Jahren verbessern.
Können Sie uns mehr über
den Einfluss von Lebensstil
und genetischen Faktoren auf
das Risiko von Darmkrebs
erzählen?
Beide Elemente spielen eine
wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Darmkrebs. Genetische Komponenten sind ein
Risikofaktor, vor allem, wenn
eine familiäre Vorbelastung besteht. Doch auch der Lebensstil
ist ein großer Risikofaktor.
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