30 DAS MAGAZIN ZUR DMEXCO 2026
durch dynamische Programmatic DOOHKampagnen, die Motive in Echtzeit an Kontextdaten anpassen und sich standort- oder
kanalübergreifend ausrollen lassen? Nutzen
wir sie, um Kanäle wie Social Media intelligenter mit dem öffentlichen Raum zu verzahnen? Und vor allem: Nutzen wir KI als
Effizienzhebel, während Strategie und Kreativität in menschlicher Verantwortung bleiben? Entscheidend wird künftig, wo KI-Skalierung endet und Markenführung beginnt.
Denn die Kernwährungen einer guten Markenführung Vertrauen, Relevanz und Präferenzbildung lassen sich nicht beliebig mit
KI vervielfältigen. Und mehr Content erzeugt
nicht automatisch mehr Wirkung. Das Gegenteil ist der Fall. Während digitale FeedInhalte oft sekundenschnell versinken, werden reale Markenerlebnisse immer wertvoller. Während KI das Zusammenspiel von Kanälen intelligent skaliert, liefert OOH die Erlebnisse im echten Leben, mit denen
KI-basierte Relevanz zu echtem Markenvertrauen und Markenpräferenz wird.
Nina Reicke, Head of Media Solutions bei
WallDecaux
Im Marketing wird künstliche Intelligenz aktuell vor allem für die
Skalierung von Content eingesetzt. Dabei sollte man KI keineswegs als reines TechnologieThema rund um die hochvolumige AssetProduktion begreifen. Natürlich braucht es
moderne Infrastrukturen für effiziente Produktionsstrecken, aber das allein bringt mittelfristig keinen Wettbewerbsvorteil mehr.
In absehbarer Zeit werden alle Unternehmen
Zugriff auf vergleichbare Modelle und Tools
haben. Der echte Differenzierungsfaktor
entsteht deshalb primär durch die Transformationsfähigkeit einer Organisation und
den klaren Willen der Teams, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Nur so lässt sich der
Hebel für echten Geschäftswert ansetzen:
Tools und Spezialisten müssen Hand in Hand
arbeiten. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht die maschinengesteuerte MarketingAsset-Produktion der Zukunft eine Symbiose, in der KI menschliche Exzellenz verstärkt, statt Prozesse nur billiger zu machen.
KI-Transformation ist letztlich kein IT-Projekt, sondern konsequentes Change-Management für Teams und Organisationen. Rollen, Prozesse und Fähigkeiten müssen völlig
neu gedacht und miteinander kombiniert
werden. Denn Technologie lässt sich einkau-
fen Veränderungsfähigkeit und Haltung
hingegen nicht.
Philipp Hartmann, Co-Founder und geschäftsführender Gesellschafter von Factory
Die aktuelle KI-Debatte überschätzt häufig die Technologie
und unterschätzt das Wissensfundament der Menschen und
vorliegender Daten. Mehr KI,
mehr Tools und größere Modelle führen
nicht automatisch zu besseren Ergebnissen.
Entscheidend sind die Qualität der Inputs,
klare Briefings, belastbare Daten und vor allem die Fähigkeit, überhaupt zu definieren,
was ein gutes Ergebnis und was Erfolg ist.
Wo Strategie, Markenverständnis oder Qualitätskriterien fehlen, produziert KI vor allem
schneller und in größerer Menge Mittelmaß
ohne Wirkung. Echter Geschäftswert entsteht deshalb nicht durch den Einsatz von KI
an sich, sondern durch ihre konsequente Integration in relevante Workflows und Prozesse: Wo erhöht KI messbar Produktivität,
reduziert Kosten, verbessert die Geschwindigkeit oder steigert die Customer Experience? Die Kosten eines Modells lassen sich
sehr präzise berechnen; beim tatsächlichen
Business Impact bleiben viele Unternehmen
dagegen erstaunlich vage. Gleichzeitig sollte
damit ein altes Thema wieder ins Zentrum
der Dmexco rücken: die eigene Datenbasis.
Datenqualität, Verfügbarkeit, First-Party Data und Privacy sind entscheidende Faktoren.
Und bei aller Automatisierung darf eines
nicht verloren gehen: eigenes Wissen, Erfahrung, Markenverständnis und Kreativität. KI
kann diese Fähigkeiten skalieren sie sollte
sie nicht ersetzen.
Joachim Bader, Managing Partner
bei Forte Central Europe
Ob aus KI echter Geschäftswert
entsteht, ist für mich vor allem eine Frage der richtigen Reihenfolge: Ziel first, Plattform second.
Bevor wir uns im Tech-Stack oder
in Prozessen verlieren, sollten wir klären, was
wir konkret verbessern oder verändern wollen erst dann entfaltet Technologie ihre
Wirkung. Das größte Missverständnis dabei
ist, KI rein als Effizienzthema zu sehen oder
mit Automatisierung gleichzusetzen. Der eigentliche Wert liegt für mich im Produktivitätshebel: KI ermöglicht es uns, mehr zu erreichen und Aufgaben anzugehen, die früher
mangels Ressourcen schlicht liegengeblie-
ben sind. Rund um das Dmexco-Motto Scaling Intelligence wünsche ich mir deshalb,
dass es nicht nur um ein reines schneller,
höher, weiter geht. Bei aller Skalierung geht
es am Ende immer um exzellente Arbeit
und dafür braucht es an vielen Stellen weiterhin ganz bewusst das menschliche Gehirn.
Neben KI sehe ich aktuell vor allem ein Thema als entscheidend an: Optimismus und
Mut. Wir erleben gerade extrem viel Veränderung und Unsicherheit. Umso wichtiger
ist für mich der Wunsch, Dinge jetzt aktiv
anzupacken, anstatt nur abzuwarten. Zuversicht ist hier unser wichtigster Treiber.
Jasmin Seitel, Managing Director
bei Diffferent
Bei allem, was wir machen, geht
es um Wirkung und nicht um
Lautstärke und Reichweite. KI
sollte deshalb ihre Stärke dort
ausspielen, wo Marketing über
einzelne Assets hinausgeht, und zwar bei der
Steuerung von Kampagnen in ihrer Gesamtdynamik und Markenwirksamkeit. Marketingverantwortliche sollten KI vor allem nutzen, um die Kohärenz ihrer Botschaften zu
messen und zu verbessern. Dabei geht es um
die Frage, ob alle Assets strategisch und systemisch aufeinander aufbauen, ob man die
richtigen Menschen entlang ihrer Journey
erreicht und ob sie ein konsistentes Markenerlebnis vermitteln. In diesem Zusammenhang bedeutet Scaling Intelligence für
mich, menschliches Urteilsvermögen mit maschineller Leistungsfähigkeit zu verbinden.
Die Zukunft gehört human-led Kommunikationssystemen, die aus Daten lernen, Inhalte
kontextbezogen ausspielen und sich an neue
Informationswege anpassen. Gerade im
Healthcare-Bereich entstehen durch KI-Suche, Chatbots und fragmentierte Touchpoints neue Entscheidungsmomente. Marken müssen deshalb ihre Narrative aktiv
führen und über alle Kanäle hinweg anschlussfähig halten. Neben KI wird die Verhaltensänderung zum wichtigsten Thema
der Branche. Reichweite und Content-Mengen sind keine Wirkungsnachweise. Entscheidend ist, ob Kommunikation Verständnis, Vertrauen und Handlung auslöst. Wer KI
mit Strategie, Kreativität und Technologie
verbindet, schafft Orientierung, stärkt Markenvertrauen und entwickelt aus Kommunikation messbaren Geschäftswert.
David Link, Geschäftsführer
bei Cyperfection
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