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E
in Jahr ist es jetzt her,
dass Kristina Bulle in
einem HORIZONT-Interview die bessere Erschließung der Reichweiten im offenen Netz
forderte: Wenn es gelingt, mit deterministischen ID-Lösungen als
Marktstandard
das
Open Web zu einem
zusammenhängenden Ökosystem zu verbinden, dann bieten sich große Chancen für alle
Player, um mehr Werbegelder auf die eigenen
Angebote zu ziehen, sagte die DACH-Marketingchefin von Procter & Gamble.
Der Vorstoß fand viel Beifall: Wer nicht
gerade für Google, Meta oder Tiktok arbeitet,
begrüßt ein Gegengewicht zu den Plattformen. Die Organisation Werbungtreibende im
Markenverband (OWM) stellte sieben Forderungen zur Stärkung des Open Web auf. Vermarkter, Mediaagenturen und Tech-Dienstleister gelobten, die Entwicklung der deterministischen Identifier, vor allem NetID und
Utiq, voranzutreiben. Sie ermöglichen die verlässliche Wiedererkennung von Usern über
viele Endgeräte, Kanäle und Inventare hinweg. Damit stellen sie die Grundvoraussetzung für skalierbare Kampagnen im offenen
Netz dar. Die OWM prägte dafür den Begriff
Open Park im Gegensatz zu den Walled
Gardens der Platformen.
Wo steht die Open-Web-Offensive aktuell? Das Interesse hat deutlich zugenommen, sagt Kristian Meinken, CEO der PilotGruppe. Was noch fehlt, ist der konsequente Schritt in die Umsetzung und Skalierung.
Zu viele auf der Nachfrageseite bleiben
zögerlich, sobald es konkret wird. Das sei
schwer nachzuvollziehen, wenn man sich die
vorliegenden und vor allem positiven TestErgebnisse anschaue.
Viel Beachtung fand vor allem eine Bewegtbild-Testkampagne, die Procter & Gamble im Verbund mit Ad Alliance, Seven-One
Media und Pilot gefahren hat laut Bulle mit
Erfolg: Das technische Set-up der Testkampagne hat gezeigt, dass deterministische IDLösungen funktionieren sowohl für kleinere
Kampagnen als auch für skalierte Ansätze.
Von den Learnings der Kampagne könne nun
die gesamte Branche profitieren, denn damit
haben nun alle Beteiligten, von den Tech-Suppliern über Agenturen und Publisher bis zu
den Werbungtreibenden, einen Qualitätsansatz, um gemeinsam im Open Web Reichwei-
ten strategisch aufzubauen. Damit beginne
nun die eigentliche Arbeit, so Bulle: Jetzt
geht es darum, den Ansatz gemeinsam groß
und erfolgreich zu machen. Procter & Gamble werde dabei mit weiteren Kampagnen
vorangehen.
Die Frage ist nur: Wer folgt nach? Ein weiterer Treiber aufseiten der Werbungtreibenden ist der Rewe-Konzern. Weil TV-Reichweiten rückläufig sind, brauchen wir Alternativen mit hohen Reichweiten, sagt Jan Flemming, Geschäftsleiter Penny Marketing &
Rewe Group Media. Dazu sei ein Angebot
über die Plattformen hinaus notwendig, also
im Open Web. Er betont, dass die Werbungtreibenden aus der TV-Welt durch die AGFMessung sehr gute Standards in der Zielgruppensteuerung gewohnt sind. Im Internet zahlen wir heute allerdings für Mehrfachkontakte, die wir nicht immer wollen, so Flemming.
Mit deterministischen IDs haben wir die
Chance, das zu ändern. Rewe hat daher Utiq
bereits getestet und will weitere Tests auch
mit NetID fahren.
Das Gros der Werbungtreibenden wartet
aber lieber ab, was die Open-Web-Vorreiter
zunehmend frustriert: Die Technologie
funktioniert, Kampagnen laufen, Ergebnisse
liegen vor heute schon, sagt Pilot-Chef
Meinken. Aber: Man wartet auf Perfektion,
statt mit dem zu arbeiten, was längst funktioniert. Statt zu starten, werden laut
Meinken immer neue Anforderungen an die
Technologie gestellt: Das Over-Engineering
ist der eigentliche Bremsklotz und nicht die
Technik selbst.
R
ewe-Manager Flemming bemängelt:
Der Aufbau des Open-Park-ID-Systems dauert bisher viel zu lange. Das
liegt vor allem daran, dass es keine
eindeutige Ownership gibt: Wer ist dafür verantwortlich, dass wir endlich weiterkommen? Flemming hat eine Empfehlung: Ich
fände es gut, eine Tacheles-Runde zu etablieren, in der sich wesentliche ID-Anbieter, Vermarkter, Agenturen und Werbungtreibende
zusammentun, um das Thema mit mehr Konsequenz voranzutreiben. Noch sieht er Defizite. So sei die Online-Video-Reichweite von
NetID und Utiq in der Praxis immer noch vergleichsweise begrenzt: Statt eines einstelligen Millionenbereichs brauchen wir Reichweiten von 30 Millionen oder mehr.
Der frühere Omnicom-Digitalchef und
heutige Marketing-Berater Sascha Jansen
beobachtet: ID-Lösungen haben immer
noch mit einem Henne-Ei-Problem zu kämpfen. Werbungtreibende tendieren dazu, abzuwarten, bis Lösungen im Markt komplett
etabliert sind. Das Etablieren geschehe
aber erst durch die Summe an praktischen
Umsetzungen. Und Publisher brauchen die
Nachfrage kurzfristig, um zu belegen, dass
die Investitionen in ID-Lösungen gerechtfertigt sind, so Jansen.
Aus Sicht von P&G-Managerin Kristina
Bulle gibt es noch Nachholbedarf bei der
Angebotsbreite: Es braucht mehr Vermarkter, die technisch wie vertraglich in der
Lage sind, mit den IDs zu arbeiten und die
bereit sind, diese multiplen Tech-Stacks zur
Verfügung zu stellen.
D
ie im Online-Vermarkterkreis im
BVDW (OVK) zusammengeschlossenen Publisher haben hier bereits
viel geleistet: Sie haben ein Wegeleitsystem entwickelt, das über Identifier dafür sorgt, dass Kampagnen übergreifend und
skaliert buchbar sind. Um die Kampagne bei
den einzelnen Vermarktern wiedererkennbar
zu machen, setzten diese eine einheitliche
Deal-Nomenklatur ein, die vom OVK entwickelt wurde. Wir sind in den vergangenen Monaten deutlich weitergekommen, sagt Daniel
Pölkemann (Media Impact), stellvertretender
OVK-Vorsitzender. Das Wegeleitsystem
steht und funktioniert sehr gut.
Diverse Werbungtreibende fahren zurzeit Testkampagnen mit dem Wegeleitsystem des OVK. Relevanter Umsatz fließt
im Rahmen dieser Kampagnen bislang
nicht. Es geht weiterhin darum, die
unterschiedlichen Anforderungen von Werbungtreibenden und Agenturen technisch
sauber umzusetzen, um im weiteren Verlauf
dann skalieren zu können. Die Digitalberaterin Marion Kölling, früher unter anderem für
Microsoft und Dentsu tätig, ist neue Ansprechpartnerin für die technische Umsetzung von Kampagnen bei den OVK-Vermarktern. In Abstimmung mit den einzelnen
Vermarktern und den Adtech-Anbietern
stellt sie sicher, dass Kampagnen übergreifend und ID-basiert ausgespielt werden können. Wir unternehmen alle wichtigen Schritte, um die technische Signalqualität weiter zu
verbessern, betont Pölkemann. Mit deterministischen IDs sind wir nahe am Optimum,
sodass die Attraktivität der Inventare im
Open Web steigt. Das wird hoffentlich zu
einer Budgetumschichtung zugunsten der
Vermarkter im OVK führen.
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