006
MAGAZIN
CMO OF
THE YEAR
2022
Herzlichen Glückwunsch zum Titel CMO of
the Year. Fühlen Sie sich damit #LikeABosch? Als ich erfahren habe, dass ich CMO of
the Year bin, war ich gerührt, überrascht, stolz
und wahnsinnig glücklich. #LikeABosch fühle
mich ehrlich gesagt schon viel länger. Und damit bin ich zum Glück nicht der Einzige im
Unternehmen. Ich habe ein fantastisches Team,
mit dem ich sehr vertrauensvoll zusammenarbeite und das die #LikeABosch-Kampagne zu
dem gemacht hat, was sie heute ist.
Boris Dolkhani trägt bei seinem
Arbeitgeber Robert Bosch die sperrige
Jobbezeichnung Senior Vice President
Corporate and Mobility Marketing, Brand
Management & Communication Strategy kurz: Marketingchef. Unter seiner
Führung ist die vielfach preisgekrönte
IoT-Kampagne #LikeABosch entstanden. Das Markenmotto hat längst
Kultstatus erreicht und wird von verschiedenen Geschäftsbereichen des
Unternehmens aufgegriffen und kreativ
immer wieder neu interpretiert. Dolkhani gilt als leidenschaftlicher, herausfordernder und anspruchsvoller Manager, der gleichzeitig sehr emphatisch
und motivierend ist. Bevor er im Mai 2017
zu Bosch kam, war er rund vier Jahre
lang bei dem Roboter-Hersteller Kuka
für das Marketing verantwortlich. Davor
war er viele Jahre lang sein eigener Chef:
Bevor wir zu der Kampagne kommen, lassen Sie uns über Ihren Weg zum Marketingchef von Bosch sprechen. Ihre berufliche Laufbahn war bislang alles andere als
stringent: Sie haben als Kreativchef und
CEO jahrelang eine eigene Agentur geführt,
Sie haben ein Start-up gegründet und sind
dann zunächst im Marketing von Kuka und
schließlich bei Bosch gelandet. Warum haben Sie sich nach so vielen Jahren der
Selbstständigkeit für das Angestelltenverhältnis entschieden? Soll ich ehrlich sein?
Während der Finanzkrise wurde das Projektgeschäft schwieriger und am Ende hat es mir
einfach überhaupt keinen Spaß mehr gemacht. Und so kam es, dass ich schweren Herzens meine Anteile an meine damaligen Partner verkauft habe. Anschließend habe ich ein
kleines Start-up gegründet. Letztendlich wollte ich mehr Sicherheit für mich und meine
Familie. Dann kam das Angebot von Kuka
und so begann meine Marketingkarriere.
Dolkhani hatte mit Feuer in München
eine eigene Kommunikationsagentur, er
hat schon mal ein eigenes Start-up
gegründet und sogar ein Produkt erfunden, dessen Patent er an einen globalen
Sportartikelhersteller verkauft hat.
Als Agenturchef haben Sie unterschiedliche Produkte vermarktet. Ist die werbliche
Inszenierung eines Schokoriegels vergleichbar mit der eines Roboters oder
einer innovativen Technologie? Gibt es bei
Letzterem bestimmte Tabus? Tabus gibt es
überall. Die sind im Technologiebereich nicht
anders als bei Konsumgütern oder bei Autozulieferern. Bosch ist als Unternehmen so heterogen aufgestellt und hat so viele unterschiedliche Produkte und Geschäftsbereiche,
dass der Job für mich eigentlich gar nicht so
viel anders ist wie früher in der Agentur, wo
die größte Herausforderung darin bestand,
sich auf unterschiedliche Kunden einzustellen.
Und das habe ich immer sehr gerne gemacht.
Es fällt sicherlich leichter, sich in einen
Kunden hineinzuversetzen, der ein für Sie
persönlich spannendes Produkt hat. Sind
Sie ein Technologie-Nerd? Ja, absolut. Ich
bin tatsächlich ein sehr technologieaffiner
Mensch und benutze privat alle möglichen
Technik-Gadgets, auch zum Beispiel, wenn
ich meinem Hobby, dem Rennradfahren,
nachgehe.
Dann sind Sie wahrscheinlich auch ein
Experte für das Internet of Things. Damit
haben Sie Ihr Kampagnen-Debüt bei Bosch
gegeben. War das ein leicht vermittelbares
Thema? Wie wir durch unsere Marktfor-
schung feststellen konnten, bestand die größte
Hürde tatsächlich darin, dass die wenigsten
Menschen etwas mit dem Begriff IoT Internet of Things anfangen können. Wie schafft
man es also, sich als führendes IoT-Unternehmen darzustellen, wenn keiner weiß, was das
überhaupt bedeutet? Damit haben wir uns
sehr intensiv auseinandergesetzt.
Und Ihre Antwort war eine Kampagne, für
die Sie einen sehr internationalen Ansatz
gewählt haben inspiriert von dem Like a
Boss-Sketch der US-Comedyshow Saturday Night Live. Wieso dieser Weg? Die
USA sind ein sehr wichtiger Markt für uns.
Deshalb haben wir versucht, etwas zu kreieren, was sowohl in den USA als auch in anderen Märkten gut funktionieren würde. Die
Idee zu #LikeABosch war übrigens zunächst
nur eine Wild Card, die unsere Agentur
ganz zum Schluss ihres Pitches präsentiert hat.
Ihre Agentur ist also zunächst auf Nummer
sicher gegangen und hat was Seriöses
präsentiert und dann am Schluss noch
mal eine Gold-Idee auf den Tisch gelegt,
von der sie dachte, dass die wahrscheinlich
eh nicht genommen wird? Verstehen Sie
mich nicht falsch: Die anderen Ideen waren
auch alle kreativ. Wir hatten Jung von Matt
schon vorher so gebrieft, dass klar war,
dass wir uns durchaus etwas trauen wollen.
Aber keine der vorherigen Ideen war so gewagt wie #LikeABosch. In dem Mood-Film,
den die Agentur präsentiert hat, waren
afroamerikanische Rapper zu sehen, die auf
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