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HILDESHEIM
KEHRWIEDER am Sonntag 4. / 5. Juli 2026
Weitere Inhaftierte übt Kritik
an den Zuständen im Frauengefängnis
Schimmel an den Wänden und zu wenig Personal: In einem zwölfseitigen Brief berichtet eine Insassin über vermeintliche Missstände
in der Haftanstalt in Hildesheim. Das niedersächsische Justizministerium reagiert auf die erneute Kritik und will mehr Personal einstellen.
HILDESHEIM. Es wird der Ein-
druck erweckt, dass wir Inhaftierte irgendwie Menschen dritter Klasse wären: In einem
zwölfseitigen Brief hat eine
Inhaftierte des Frauengefängnisses in Hildesheim sich an die
Redaktion gewandt. Mit Vorwürfen, die von der Qualität des
Essens bis zu unterlassener Hilfeleistung reichen.
Vorangegangen war der Kontaktaufnahme der Inhaftierten
(vollständiger Name ist der
Redaktion bekannt) ein taz-Interview mit Anette W. aus Hannover, die über fünf Monate
lang in Hildesheim in Haft saß.
In einem Nebensatz beschrieb
sie die Haftbedingungen in Hildesheim als nicht gut und
sprach von Schimmel an den
Wänden und fehlendem Personal. Ein Sprecher des Justizministeriums wies die Vorwürfe
aber zurück.
Auch wenn die 39-jährige
Inhaftierte, die sich nun mit
dem Brief an die Redaktion
gewandt hat, Anette W. nicht
während ihrer Haftzeit kennengelernt hat, schließt sie sich
deren Einschätzung zu den
Haftbedingungen an. Ich muss
und möchte bestätigen, dass all
ihre Angaben den Tatsachen
entsprechen, schreibt die 39Jährige.
Bereits Anette W. hatte
beklagt, dass die inhaftierten
Frauen länger als eigentlich
vorgesehen eingesperrt werden
würden. Sehr oft werden wir
ohne erkennbare oder wichtige
Gründe viel früher in unsere
Zellen
eingeschlossen,
beschreibt auch die 39-Jährige.
Die früheren Einsperrzeiten
werden durch keine längeren
Aufschlusszeiten an Folgetagen
wieder ausgeglichen. Zudem
erweckten einige Beamte und
Beamtinnen den Eindruck,
In einem taz-Interview hatte eine ehemals Gefangene Kritik an den Zuständen des Frauengefängnisses geäußert nun meldet sich eine weitere Frau zu Wort.
schlichtweg überfordert zu
sein. Die abendlichen Lebendkontrollen würden so häufig
ausfallen, dass die Inhaftierte
aufgehört habe zu zählen. Und
auf einen Alarmtaster, der in
jeder Zelle betätigt werden
kann, werde manchmal nur mit
Verspätung reagiert. Teilweise
habe sie 25 bis 45 Minuten warten müssen unverantwortlich nennt sie das.
Mit den verschiedenen Vorwürfen konfrontiert, erklärt
Verena Brinkmann, Pressesprecherin des niedersächsischen
Justizministeriums, dass die
Justizvollzugsanstalt für Frauen
mit Hauptsitz in Vechta überdurchschnittlich lange Aufschlusszeiten gewähre, in der
Abteilung Hildesheim sind es
regulär acht Stunden. Dies sei
personalintensiv und könne
durch organisatorische Gegebenheiten verkürzt werden
wenn es nach der Pressesprecherin geht, seien Verkürzungen
aber die Ausnahme. Eine Vorgabe zu Aufschlusszeiten existiere
im Niedersächsischen Justizvollzugsgesetz nicht. Verkürzte Zeiten an einem Folgetag auszugleichen sei daher weder rechtlich geboten, noch organisatorisch umsetzbar, so Brinkmann.
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Mensch
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lassen
auf exakt
die
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Weise
Unterkunft,
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veraltet:
Lärm,
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Färbetechnik
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glänzender Überzug auf
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Suppen und Eintöpfe wegzuschmeißen, weil ich den
Geschmack von bereits verdorbenem und verschimmeltem
Gemüse wahrnehme.
Mit der Kritik konfrontiert,
erklärt Brinkmann, sämtliche
Prozesse zur Zubereitung und
dem Transport bis hin zur Ausgabe der Speisen unterliegen
strengen hygienischen Anforderungen. Die Kontrollen erfolgen durch geschultes und fortgebildetes Personal, jeden Tag
würden leitende Bedienstete
Kostproben nehmen, um die
ausgegebenen Speisen auch
sensorisch zu überprüfen. In
diesem Zusammenhang liegen
keine relevanten Beschwerden
der Gefangenen vor.
In ihrem Brief beschreibt die
39-jährige Inhaftierte das
Gefühl, wie minderwertige Menschen behandelt zu werden.
Haben Häftlinge etwa nicht das
Recht, mit Würde behandelt zu
werden? Auch wenn wir alle,
die eine mehr, die anderen
Insassin
weniger,
Fehler
gemacht haben, gibt es jedoch
Grenzen, die einfach bewahrt
werden sollten und müssen,
schreibt sie. Man sagt, die
Würde des Menschen ist unantastbar Fehlanzeige.
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Straße voraussichtlich bis Ende der Sommerferien gesperrt Bistum investiert in drei seiner Schulen
HILDESHEIM. Der Rückbau eines
Gebäudes des Gymnasiums
Mariano-Josephinum
hat
begonnen. Dafür ist seit Donnerstag, 2. Juli, die Straße
Brühl für den Straßenverkehr
gesperrt. Der Abriss soll bis
zum Ende der Sommerferien
abgeschlossen sein.
Der Rückbau betrifft das
Gebäude Mechthildenheim am
Standort Brühl und gehört zu
einem über mehrere Jahre
angelegten Bauvorhaben, das
die drei weiterführenden Schulen in katholischer Trägerschaft in Hildesheim umfasst.
Um den Abriss vorzubereiten, ist das Gebäude rechts
neben der Turnhalle bereits
seit Anfang Mai entkernt worden. Ebenso wurden belastete
Baustoffe im Gebäudeinneren
entfernt. Nun folgen zunächst
die Vorarbeiten für den Rückbau. Der Abriss bis zur Herstellung von Bodengleichheit
dauert etwa zwei bis drei
Wochen. Fast 30 Millionen
Euro will das Bistum Hildeshem in den nächsten Jahren in
drei ihrer Schulen stecken. Den
Anfang macht jetzt der Brühl.
W-27
Die Fassade des Mechthildenheims ist im vergangenen
Dezember zum Start des großen Bauvorhabens im Streetart-Stil verschönert worden.
Der Graffiti-Künstler Ole Görgens hatte dafür gemeinsam
mit Schülerinnen und Schülern mehrere Wandbilder
gestaltet, die den Bauprozess
thematisieren.
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Hospiz-Praktikant darf bleiben
Etliche Spender ermöglichen, dass Tobias Holbe im Michaelishospiz eingestellt werden kann
HILDESHEIM. Gute Nachrichten
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Gaststätte
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erklärt aber, dass Maßnahmen
zur Verbesserung der personellen Situation bereits geplant,
teilweise sogar schon umgesetzt
seien, etwa durch kurzfristige
Abordnungen.
In ihrem Brief schreibt die
39-Jährige auch über das Essen,
das die Inhaftierten in Hildesheim bekommen. Niemand verlangt, von Fünf-Sterne-Köchen
versorgt zu werden, heißt es da.
Allerdings würde das Essen, das
aus der Hauptstelle der Justizvollzugsanstalt in Vechta geliefert wird, zu Magenbeschwerden
und häufigem Durchfall führen.
Die Inhaftierte erklärt, vor allem
Abriss am Brühl beginnt
RÄTSEL
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Musikinstrument
Die
Lebendkontrollen
dagegen unterliegen klaren
Regelungen eine Einzelfallprüfung sei aufgrund der Anfrage nicht möglich. Zu den Zellenrufen per Alarmtaster erklärt
die Pressesprecherin aber, dass
diese unverzüglich, also ohne
schuldhaftes Verzögern abzuarbeiten seien. Punktuelle
Abweichungen könnten generell
aber nicht ausgeschlossen werden.
Auf die Frage dieser Redaktion, wie groß die Personalnot
im Hildesheimer Frauengefängnis ist, antwortet die Ministeriumssprecherin nicht direkt
FOTO: JULIA MORAS
im Michaelishospiz: Tobias
Holbe kann bleiben und das
sogar deutlich länger, als
zunächst möglich schien. Der
25-Jährige hat im Hospiz ein
Praktikum gemacht, eigentlich
ist er in der ProTeam Werkstatt
eingestellt, wo Menschen mit
Beeinträchtigungen arbeiten.
Nachdem seine Anstellung
voraussichtlich an der Finanzierung gescheitert wäre,
haben sich etliche Spender
gefunden.
Geschäftsführerin Andrea
Zimmermann berichtet, dass
einzelne Personen bis zu 5000
Euro gespendet hätten. Und
manche haben auch angekündigt, noch aufzustocken. Auch
die Bürgerstiftung habe zugesagt, Holbes Stelle zu bezuschussen. Dieser habe sichtlich
bewegt auf die Zusage reagiert,
berichtet Zimmermann. Mit
breitem Grinsen habe er die
Stelle angenommen. Am 1. Juli
unterschreibt er seinen Vertrag,
bis dahin ist sein Praktikum
verlängert.
Angesetzt waren ursprünglich 8000 Euro, um Holbe ein
Tobias Holbe, Ariane Brandes und Annika Zimmermann vor dem Michaelishospiz: Ab Juli kann Holbe hier fest arbeiten. Das ist Inklusion in
Vollendung, hatte Brandes zuvor zu der Möglichkeit gesagt.
FOTO: CLEMENS HEIDRICH
Jahr lang einzustellen, während Zimmermann sich um
weitere Spenden bemüht. Jetzt
ist sein Gehalt für 17 Monate
gesichert Tendenz steigend.
Zimmermann ist begeistert von
ihrem Praktikanten und rät
anderen Unternehmerinnen
und Geschäftsführern, Inklusion zu leben: Gewissermaßen
lassen wir uns auf ein Aben-
teuer ein, aber es ist auch eine
Bereicherung fürs ganze Team.
Manchmal muss man etwas
einfach machen.
Nachdem der ursprüngliche
Bericht in dieser Zeitung über
den Praktikanten veröffentlicht
worden war, hörte das Telefon
im Hospiz nicht auf zu klingeln. Die Situation schien vor
zwei Wochen schließlich noch
verzwickt: Der 25-Jährige
überzeugte bei seinem Praktikum, Zimmermann wollte ihn
einstellen.
Alles schien zu passen, dann
scheiterte es jedoch am Geld.
Das Michaelishospiz wird aus
den Kranken- und Pflegekassen
und Spenden finanziert. Assistenzstellen waren im Personalstab nicht vorgesehen. Aber
jetzt schon.
Die Resonanz hat im Hospiz
derweil eine Debatte über die
Art der Unterstützung ausgelöst. Zimmermann spricht von
einer
großen
Chance,
zugleich aber auch von einer
Gratwanderung: Tobias Holbe
solle sich nicht als Empfänger
von Almosen verstehen, sondern als gleichwertiges Teammitglied. Wir sind aber auch
ergriffen von dem Mitgefühl
der Menschen.
Holbe wird also auch weiterhin sein beliebtes Bananenbrot
im Hospiz backen. Und den
Spenderinnen und Spendern
will er ebenfalls etwas Gutes
tun: Er lädt sie demnächst alle
auf ein Stück selbst gebackenen Kuchen ein.
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